Herstellung und Handel von Bio-Lebensmitteln

Hersteller und Handelsunternehmen, die Bio-Produkte vertreiben sind kontrollpflichtig. Sie müssen zum Kontrollverfahren nach der ÖKO-VO angemeldet sein und mindestens ein Mal im Jahr geprüft werden.

Nur Einzelhändler, die etikettierte Öko-Produkte zukaufen und im Originalgebinde oder aus dem Originalgebinde heraus an den Endverbraucher verkaufen, sind von der Kontrollpflicht ausgenommen. Betreiben die Einzelhändler jedoch Zentrallager, aus denen sie ihre Verkaufsstätten beschicken, sind auch sie kontrollpflichtig.

Alles Bio?

Mindestens 95 Prozent Biozutaten muss ein Produkt enthalten, wenn es als Bioprodukt gekennzeichnet und beworben wird.

Die Verwendung von max. 5% konventioneller Agrarzutaten ist nur bei solchen Zutaten möglich, die im Anhang IX der VO 889/2008 gelistet und in Bio-Qualität nicht erhältlich sind.

Welche Zutaten und Hilfsstoffe sind erlaubt?

Die Verwendung nichtökologischer Zutaten, Lebensmittelzusatz- und Hilfsstoffen ist auf ein Minimum zu beschränken.

Zulässig sind:

  • Trinkwasser
  • Salze (hauptsächlich aus Natrium- oder Kaliumchlorid)
  • Zubereitungen von Mikroorganismen
  • Enzyme, die üblicherweise als Verarbeitungshilfen verwendet werden. Sie sind generell zulässig, müssen aber GVO frei sein.
  • Enzyme, die als Lebensmittelzusatzstoffe verwendet werden, soweit sie im Anhang VIII Abschnitt A der VO (EG) Nr. 889/2008 aufgeführt sind.
  • Natürliche Aromastoffe oder Aromaextrakte gemäß Artikel 27 Absatz (1) Buchstabe c) der VO (EG) Nr. 889/2008.
  • Mineralstoffe (einschließlich Spurenelemente), Vitamine, Aminosäuren und Mikronährstoffe, jedoch nur, soweit ihre Verwendung in den Lebensmitteln, denen sie zugefügt werden, gesetzlich vorgeschrieben ist.
  •  Lebensmittelzusatzstoffe, einschließlich Träger, soweit diese im Anhang VIII  Abschnitt A der VO (EG) Nr. 889/2008 aufgeführt sind.
  • Verarbeitungshilfsstoffe, soweit diese im Anhang VIII Abschnitt B der VO (EG) Nr. 889/2008 aufgeführt sind.

Keine Gentechnik im Einsatz?

Öko-Lebensmittel werden ohne Einsatz von Gentechnik hergestellt. Sicherzustellen, dass keine gentechnisch veränderten Organismen (GVO) oder Stoffe, die aus oder durch gentechnisch veränderte Organismen hergestellt wurden (sog. GVO-Derivate) in den Erzeugungs- und Verarbeitungsprozess von Bio-Produkten gelangen, stellt eine immer größere Herausforderung dar.

Lebensmittel oder Zutaten: Sie sind kennzeichnungspflichtig, wenn sie GVOs sind, GVOs enthalten oder aus GVOs hergestellt sind. Daher müssen gentechnisch veränderte Hefen und Milchsäurebakterien (oder Zucker) stets als GVOs gekennzeichnet sein. Als Nachweis der Gentechnikfreiheit ist es ausreichend, wenn die Verpackungen aufbewahrt werden.

Zusatzstoffe und Hilfsstoffe: Auch wenn sie "mit Hilfe" von gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt wurden (z.B. Enzyme, Ascorbinsäure, Zitronensäure usw.) sind sie nicht kennzeichnungspflichtig. Für sie ist eine Verkäuferbestätigung über die GVO Freiheit notwendig, wie sie im Anhang XIII der VO (EG) Nr. 889/2008 beschrieben wird (QMD_10_60 EGVO Verkäuferbestätigung).

 

 

Welche Dokumentation ist erforderlich?

Die Menge an erzeugten oder zugekauften Bio-Rohstoffen muss zur Menge an vermarkteten Bio-Produkten passen. Das soll anhand der betrieblichen Aufzeichnungen nachvollziehbar sein.

Belege: Der Waren- bzw. der Rohwareneingang sowie der Warenausgang sind mit Lieferscheinen und Rechnungen zu dokumentieren.

Kundenliste: Sofern es sich nicht um Endverbraucher handelt, müssen aus den Verkaufsaufzeichnungen die Käufer hervorgehen.

Produktionstagebuch: Aus den betrieblichen Aufzeichnungen über die Herstellung muss die Menge und das Mengenverhältnis zwischen den eingesetzten Ausgangsstoffen und den erzeugten Produkten hervorgehen.

Lagerbuch: Es enthält Aufzeichnungen über die Art und die Mengen der in den Betriebsstätten gelagerten ökologischen/biologischen Erzeugnisse einschließlich Wareneingangsprüfung.

Qualitätssicherung: Im Herstellungsprozess sind ähnlich wie bei HACCP die kritischen Punkte für die Öko-Qualität zu ermitteln und geeignete Verfahren zur Sicherung der Qualität einzurichten. Die Ergebnisse von Rückstandsanalysen gehören ebenfalls zur betrieblichen Dokumentation.

 

 

Konventionell / Bio nachvollziehbar getrennt?

Jede Vermischung oder Verunreinigung von Öko-Produkten während der Verarbeitung und Lagerung mit anderen Agrarprodukten oder unzulässigen Betriebsmitteln (z.B. Lagerschutzmitteln) ist auszuschließen. In der Regel sind die Öko-Chargen die ersten nach der Reinigung der Produktionsanlagen.

Öko-Produkte sind von anderen Erzeugnissen getrennt zu lagern und zu verarbeiten (räumliche oder zeitliche Trennung).

Öko-Produkte müssen jederzeit eindeutig identifizierbar sein (auch im Lager), um ein Vertauschen mit konventionellen Erzeugnissen zu vermeiden.